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Frauenbarth Blog
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Erstes Türchen - Wohnen & Umzug

Es ist erster Dezember. Ich habe einen Monat nicht geschrieben. Ich habe vier Wochen die Zeit vergessen und im Wartemodus. Der Beginn der Adventszeit unterbricht meine Zeitlosigkeit und macht mir bewusst, dass zwar viel, aber halt nichts Konkretes passiert ist.


Wir sind auf Haussuche. Wir brauchen etwas mit genug Garten und Platz im Haupthaus, um künftig all unsere Geschäftszweige unter ein Dach zu bringen. Anfang November haben wir das ideale Objekt gefunden. Und seither warten wir auf die Zusage.


Ein Umzug ist immer mit Aufregung, Arbeit und einer Menge Anspannung verbunden, in unserem Fall fühlt es sich mal wieder besonders extrem an. Unsere "Startwohnung" hier in Bad Homburg hat langsam ausgedient und wir sind ihr vor allem auch geschäftlich entwachsen. Außerdem kümmern sich die Vermieter ja überhaupt nicht um das Haus, so gibt es beispielsweise seit Monaten kein warmes Wasser und die Hebeanlage für die Abflüsse mussten wir auf eigene Kosten tragen, damit wir wieder auf die Toilette können. So besteht natürlich auch eine gewisse private Dringlichkeit und wir wünschen uns einfach nur noch einen Ort, an dem wir endlich unser Zuhause einrichten können anstatt nur irgendwo das Leben zu planen.


Der Wecker klingelt um sieben. Basti schnieft. "Ich bin krank, Bebi!"

"Na toll." Ich dreh mich im Körbchenlager, das wir im Wohnzimmer gebaut haben, nochmal zur Seite und döse ein bisschen weiter. Um kurz nach Acht kann ich zwei der Hunde motivieren, aufzustehen und wenigstens eine kleine Runde mit mir zu gehen, die Alte schläft lieber noch weiter.


Um neun kommt ein neuer Tageshund an und ich hoffe, dass das mit Luca und ihm gut klappt. Die beiden Rüden sind sich glücklicherweise auf Anhieb sympathisch und ich kann die Alte überzeugen, dass es jetzt wirklich Zeit für eine Morgenrunde ist.


Zurück zuhause setze ich die neue Hundeliste auf und sage zu meinem verschnupften und hustenden Freund: "Ich glaube nicht, dass sich die Maklerin noch meldet."

"Dann sehen wir uns jetzt einfach nochmal vermehrt nach anderen Häusern um."

"Mhm. Ich freu mich schon auf nächsten Sommer, wenn wir in unserem Garten sitze und ich ein Buch über diesen November schreiben kann, um den ganzen Abfuck nochmal Revue passieren zu lassen... Aber auf der anderen Seite... Denk mal drei Jahre zurück."

"Stimmt schon."


Vor drei Jahren hatten wir nichts mehr. Mit unserem letzten Geld hatten wir uns bei einem Bekannten durch einen Bekannten in einer Ferienwohnung einmieten können, der Volvo ist ein paar Wochen davor mitten unter der Fahrt kaputt gegangen und war ein wirtschaftlicher Totalschaden und unsere mentale Gesundheit war deutlich unter dem Gefrierpunkt.


Heute sitzen wir in unserer Zwei-Zimmer-Wohnung in Bad Homburg ohne Warmwasser oder Strom im Schlafzimmer, mit leichtzusammenbaubaren Möbeln, weil ich nach meiner Rücken-OP mehr einfach nicht hätte allein aufbauen können und träumen von unserem Leben mit Bad, repräsentativer Küche, Garten und Gym im Keller. Klingt utopisch?


Man wird ja wohl träumen dürfen.

Und wenn man keine Ziele hat, verläuft der Weg im Sand.


Um halb zwölf mach ich mich auf den Weg zu meinem Gassihund am Tannwäldchen und hole mit dem gemeinsam einen Halbtagesgast, das Schäfchen, ab. Die beiden Hunde kennen sich schon und drehen eine schöne Runde durch Bad Homburg und das bezaubernde Tannwäldchen.


Gegen zwei kommen das Schäfchen und ich bei uns Zuhause an und ich gehe davon aus, dass sich die Hundejungs gut verstehen werden. Der Kleine und die Alte sind in der Zwischenzeit schon abgereist.


Als wir ins Wohnzimmer kommen, macht Luca direkt klar, dass er das Schäfchen total beknackt findet und es gerne auf der Stelle fressen würde, also geht Luca mit Basti erstmal ins Schlafzimmer und das Schäfchen schaut sich mal um.


Basti bietet an, mit den zwei dunklen Rüden Gassi zu gehen, was ich erst ablehnen will, weil er krank ist, aber angesichts der Größe, des Gewichts, der Zugkraft und dass sie sich Luca und Lenox heute erst kennengelernt haben, stimme ich zu, weil es die klügere und sicherere Entscheidung ist.


Derweil koche ich. Es gibt eine Bohnen-Linsen-Gemüsesuppe. Klingt nach einer wilden Mischung, ist es auch. Ich habe weder Zeit, noch Lust einzukaufen, also kommt rein, was der Gefrierschrank an Gemüse hergibt und der Monsieur Cuisine erledigt den Rest quasi von selbst. Am Ende wird nochmal alles püriert, nachgewürzt und die Labra-Kumpels sind offenbar so ein gutes Team, dass Basti es sogar mit ihnen zum Bäcker schafft und ein Kürbiskernbrot mitbringen kann.


Es kommt noch eine weitere Gassianfrage für heute rein, eine habe ich schon ablehnen müssen, diese nehme ich an, weil das Schäfchen um 16.30 Uhr wieder heimgehen kann und ich das dann grad gut schaffen kann.


Also machen wir uns um kurz nach vier auf den Weg zu Schäfchen nach Hause, doch dann klingelt mein Handy. Im Gericht dauert es länger und der Hund bleibt noch. Ich sage meiner Gassi-Kundin Bescheid und verlege alles auf eine halbe Stunde später.


Diesmal geht Basti wieder ins Schlafzimmer zum Schafi und kuriert seine Erkältung weiter aus. Er sieht furchtbar blass aus, hat ziemlich starke Kopfschmerzen und trinkt sogar widerstandslos den Kräutertee, den ich ihm hinstelle. Das heißt, es geht ihm wirklich schlecht.


Ich setze mich an den PC, schaue mir ein paar Häuser an und da kommt die Mail von der Maklerin rein. Sie möchte noch die Unterlagen von meiner Oma - aber die hat sich gestern ihrerseits entschieden, doch im Allgäu bleiben zu wollen. Ich telefoniere kurz mit meinen Eltern und wir finden es schon mal positiv, dass das Haus noch zu haben ist, stehen jetzt aber vor dem Problem, dass unsere ganze Planung auf das Mehrgenerationenwohnen aufgebaut war und wir jetzt nochmal alles komplett umschmeißen müssen. Meine Eltern stehen voll hinter uns und sie bieten sich an, morgen nochmal mit der Maklerin zu telefonieren und die Umstände zu (er)klären. Schließlich hatten Basti und ich gar keine direkte Korrespondenz mit meiner Oma. Ich schicke viel zu selten Briefe und wenn mein Papa ihr die Einkäufe bringt, sprechen wir manchmal am Telefon, aber die Umzugsplanung auf ihrer Seite lag in der Hand meiner Eltern. Dass es jetzt doch nichts für sie zu sein scheint, wo es konkret wird, ist schade, aber wir verstehen es ehrlich gesagt.


In der Zwischenzeit verständigen uns meine Kundin und ich darauf, dass ich doch nicht mehr Gassi gehe, weil es jetzt wahrscheinlich zu spät wird und sie dann doch selbst geht. Verständnis auf beiden Seiten - blöd gelaufen trotzdem. Der Plan war gut, aber mal wieder ohne Spielraum für etwaige Verspätungen oder zu spontane Änderungen. Der Plan wäre voll aufgegangen, wäre Luca dem Schäfchen nicht ganz so abgeneigt... Wenigstens wissen wir jetzt für die Zukunft, dass die beiden nicht mehr gleichzeitig kommen.


Auch etwas, das sich mit dem Umzug erledigt hat. Wenn wir unser Traumhaus bekommen, haben wir genügend unterschiedliche Ebenen und Räumlichkeiten, um im Zweifelsfall mehrere kleine Rudel zusammenstellen zu können. Auch für unsere Kunden ein Gewinn, denn dann gibt es weniger Planungschaos oder Absagen auf (spontane) Anfragen.


Um zwanzig vor sechs wird das Schäfchen abgeholt und Luca und sein neuer Labradoodle-Kumpel Lennox essen gemeinsam zu Abend.


"Klappt gut mit den Zweien, gell?", stelle ich fest. "Ja, voll. Richtig schön.", schnieft Basti.


Um sechs geht Lennox nach Hause und Luca ist endlich Einzelprinz. Er ist zwar gern mit den anderen Hunden zusammen, aber er findet es auch toll, ab und zu die volle menschliche Aufmerksamkeit zu haben.


Wir rufen nochmal kurz bei meinen Eltern an, weil sie uns einen total süßen Adventskalender geschickt haben und wir dafür noch Anweisungen brauchen. Wie immer verquatschen wir uns dabei ein wenig.


Es gibt immer viel zu erzählen, auch wenn es nach Außen hin oft so aussieht, als würde sich bei uns nie was verändern.


Nach dem Telefonat essen wir nochmal und gehen unsere Spätabendrunde mit Luca. Beim Heimkommen laufen wir unserem Nachbarn in die Arme, der gerade seinen ganzen Hausstand rausträgt. "Ahh, ich ziehe aus!", teilt er uns mit. "Jetzt?"

"Jaaa, ich hab eine neue Wohnung, vorn in der ... Straße."

"Okay, cool, herzlichen Glückwunsch. Hier ist ja nicht so..."

"Hier ist gar nix. Hab keinen Mietvertrag bekommen. Miete immer bar gegeben. Konnte mich hier nicht anmelden. Klo geht nicht. Wenn es regnet, läuft es über."

"Ja, ganz schön beschissen. Gut, dass du was anderes hast. Viel Glück."


Wir verabschieden uns, gehen ins Wohnzimmer und fallen uns auf unsere Bürostühle fallen. "Ist ja auch eine ganz normale Uhrzeit zum Ausziehen!"

"Nachts um elf? Klar. Aber hey Bebi, weißt du, was das bedeutet mit der Mail heute? Wir sind noch im Rennen. Bald ziehen wir in unser Haus!"


In Gedanken sind wir wohl beide auch in dieser Nacht schon mit unserem fröhlichen Nachbarn am ausziehen aus dieser Bruchbude. Aber noch hängen wir ja in der Luft. Inzwischen seit 24 Tagen. Irgendwie ironisch, oder?


Schönen ersten Dezember und eine geruhsame Weihnachtszeit, ihr Lieben.



Wohnen & Umzug. Frauenbarth.



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