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Entscheidung, Ende & Anfang

Aktualisiert: 19. Okt. 2025

Heimwerkerheldin

Das Leben plätschert manchmal so vor sich hin und es scheint sich nichts großartig zu verändern und dennoch stehen wir auf einmal an dem Punkt, dass mal wieder eine Entscheidung notwendig wird. Ein Ende gefunden wird und die Möglichkeit für einen neuen Anfang geschaffen wird. In unserem Fall betrifft das grade so im Großen und Ganzen den finalen Abschluss mit der Vergangenheit und die konkrete Planung der kommenden Jahre. Mehr dazu erfährst du im Laufe meines Tages.


Entscheidung fürs Ende und zum Anfang

Wir haben uns in den vergangenen Jahren immer mehr vom Sozialleben zurückgezogen. Wir sind zwar unter Menschen, aber wir sind nie so wirklich dabei, weil wir irgendwie keine Nerven mehr haben. Es ist so viel passiert und eine Enttäuschung jagte die nächste, wir haben selbst viele Fehler gemacht und uns in den falschen Momenten den falschesten Personen zugewandt, was zu Lasten derer ging, die es gut mit uns meinten. Manchmal kann man nicht aus seiner Haut, sagt meine Mama. Aber man kann versuchen, sich bestmöglich darin zurecht zu finden, antworte ich dann sinngemäß und versagte myriadenfach die Umsetzung.


Wir haben einen Entschluss gefasst. Wir wollen uns wieder wohl fühlen. Unser Leben leben. Die sein, die wir sind und immer waren und wir sind auf dem besten Weg, das diesmal endlich zu erreichen. Nach fast sechs Jahren Beziehung haben wir das, was wir beide mitgebracht haben, zumindest soweit aufgearbeitet, dass wir es langsam ziehen lassen und mit hoffnungsvollem Blick in eine ambitionierte Zukunft starten können.


Gestern habe ich die Plattform von js.colourful.life freigegeben und bin gespannt, ob die Idee auf Dauer angenommen wird und wie gut.


Anfang des Tages

9.00 Uhr

Der Wecker klingelt. "Ich nehm Bo mit, ja?", murmle ich, stemme mich irgendwie hoch und stelle fest, dass ich inzwischen doch leichter wieder über Körperspannung und Bauchmuskulatur aufstehe als über die Arme. Aber das könnte auch einfach daran liegen, dass ich letzte Woche zwei mal beim Gassi gehen auf den Rücken gefallen bin und mir dabei jeweils einen Ellbogen aufgeschlagen hab. Beim ersten Mal war mein Arm dann zwei Tage so halb taub, denke wird ne Prellung oder ein Bluterguss im Gelenk gewesen sein, inzwischen funktioniert aber alles wieder fast normal und ich kann sogar meine Finger wieder weitgehend koordinieren und fühlen. Und seit dem Wochenende kann ich den Arm sogar wieder über Schulterhöhe heben, also gebe ich der Sache mal noch zehn Tage und dann müsste wieder gut sein. Der linke Ellbogen hat nur eine Schürfwunde, da ist ansonsten nichts passiert, das heilt gut ab, hat sich nicht entzündet, aber spannt halt beim Aufstehen. "Findest du, das ist eine gute Idee?", fragt Basti mit halboffenen Augen. "Ja, warum nicht? Der ist super." Bo ist gestern zum Probewohnen angereist und gleich über Nacht geblieben, weil es sich grad angeboten hat und er sowieso seinen Sommer- und Herbsturlaub bei uns verbringen wird. "Ja, aber du weißt doch, wie Gucci sein kann... Treffen wir uns lieber im Park. Du gehst los, holst Gucci und ich geh mit Bo."

"Hm."

"Ja?"

"Ja, du hast recht."

Ich richte mich kurz zusammen, lege die Sachen für Bo bereit und ärgere mich über den noch unerledigten Haushalt, weil ich gestern so Garfield-Stimmung hatte.


9.52 Uhr

"Bin gleich bei Gucci und dann kommen wir runter. Treffen wir uns am See? Ich liebe dich."

"Bist du da jetzt hochgeflogen?"

Ich überlege, wann ich losgegangen bin und finde auch, dass zehn Minuten echt kurz für die Strecke sind, vor allem weil ich mich nicht beeilt hab. Das ist vielleicht so ein nebenbei entstehender Effekt. Sportler kennen ja die gefürchteten Plateaus - ich glaube, ich hab grad eines überwunden, ohne zu wissen, dass ich gerade eins durchwandert habe. Seit ich wieder arbeite ist meine durchschnittliche Tageskilometerzahl von etwa 8,5km täglich auf aktuell 10km hoch und je nach Belegung komme ich drei bis fünf Tage die Woche auf über fünfzehn Kilometer Fußweg am Tag. Hätte ich ja vor zehn Jahren niemals für möglich gehalten... Ich wäre auch niemals mit den Öffis gefahren... Aber Hochmut und Fall. Und soll ich mal ehrlich was sagen? Ich bin froh um diesen drastischen Sturzflug, den ich unternehmen musste, um mein Leben wieder unter meine Kontrolle zu bringen und tatsächlich nach meiner Ethik und meinen Vorstellungen zu agieren, statt irgendwas nachzuplappern. Selbst zu denken wirkt vielleicht anfangs anstrengend, macht das Leben aber leichter. Zumindest für mich. Noch ein schöner Nebeneffekt vom Gehen: den Gedanken freien Lauf lassen, sodass ich sie im Anschluss im Homeoffice kreativ verarbeiten kann. Eine schöne Symbiose der Branchen.


Als ich das Gartentor öffne, hüpft mir Gucci schon freudig entgegen und kurz danach geht auch die Tür auf und ihre Mama streckt den Kopf raus. Wir plaudern kurz und dann ziehen der kleine süße Jagdhund und ich von dannen. Ich schreib Basti, dass wir unterwegs sind und er, dass er Bo's Zeug, seinen Geldbeutel und die Sonnenbrille nicht finden kann. Ich versuche aus der Entfernung zu regeln, was ich regeln kann und Gucci tapst freudig vor mir her durch den Park Richtung Louisenstraße.


Ich tippe gerade: "Ja, also, da wir euch im Park nicht gesehen haben und am Steigenberger sind inzwischen, gehen wir jetzt heim ..."

"Wo seid ihr denn?" Wir haben die Jungs wirklich nicht gesehen und müssen am See einfach blöd hinter Bäumen oder Büschen aneinander vorbeigelaufen sein. Wir treffen uns wenige Minuten später und die Hunde finden sich gleich super. Sie spielen ein paar Minuten und dann sind beide müde. "Wird ein chilliger Tag.", stelle ich fest. "Glaub ich auch."


Zuhause legen sich die Hunde hin, Bo bekommt noch sein Frühstück, das er so über den Vormittag verteilt ist, ich schreibe schnell den Beitrag von Montag, kläre Termine ab und beantworte Nachrichten und mache mich auf den Weg nach Oberursel um mit dem Musterknaben meine Waldrunde zu gehen. Um zwei will ich dann wieder zuhause sein, da sollte Bo geholt werden.


12.40 Uhr

Der Musterschüler entscheidet sich für die Waldrunde und irgendwo nach einer Weile kommt die Nachricht, dass Bo gleich geholt wird. Ich sage Basti bescheid, er übernimmt das und ich gehe meine Waldrunde entspannt weiter.


13.20 Uhr

"Du weißt schon wieder nicht, wo der richtige Weg ist, gell?", sage ich zum Musterknaben als wir mal wieder Mitten im Wald, dafür vor einer Schnellstraße ohne Übergangsmöglichkeit stehen und ich keine Ahnung habe, wie wir in den letzten zwei Minuten so weit von den befestigten Wegen abkommen konnten. Der Hund wollte einen Trampelpfad nehmen, er wohnt ja hier und nicht ich, also geh ich davon aus, dass er weiß... Ach selbst Schuld, das ist das dritte Mal jetzt. Einfach mein Fehler. "Na und jetzt?" Er guckt mich an und legt den Kopf schief. "Ja, ich schau schon bei Googlemaps, damit wir wenigstens mal auf den Weg zurück finden. Hoffentlich ist hier nicht auch E."

Wir haben Glück und kommen bald zurück auf einen befestigten Weg. "Supi, nur noch knapp drei Kilometer, dann sind wir zuhause. Fünf Minuten Zeit haben wir." Er guckt und ich muss lachen. "Ja, alles gut. Ich weiß ja. Selbst Schuld." Bin ich wirklich. Es ist ein Spürhund, natürlich nimmt er Fährten auf und führt mich irgendwo in den Wald oder auf ein spannendes Grundstück. Oder den Oberursler Sportverein mit seinen glücklicherweise netten sehr schweren Kaliber von Hund...


14.00 Uhr

Ich habe den Musterschüler zuhause abgeliefert und mach mich auf auf den Weg nach Hause. Sind wir halt eine halbe Stunde länger gelaufen, macht nichts. Ich erwische die U-Bahn rechtzeitig, die S-Bahn fährt und um halb drei bin ich zuhause. Eigentlich würd ich jetzt gern mit Gucci Gassi gehen, aber die ist müde, also fange ich endlich mit dem Haushalt an. Aber ich hab auch keine Lust mehr immer nur irgendwelche Notlösungen zu bauen und es muss alles ein bisschen funktionaler werden, wenn wir uns an unseren Businessplan halten wollen. Wir haben uns nun endgültig dazu entschlossen, unser Projekt WorkingLifeBalance anzugehen, einen ordentlichen Businessplan zu schreiben, Objekte anzusehen, ect. Dieses Jahr gibt es noch einiges zu tun, denn wir wollen langfristig ja im Betrieb leben können. Wir würden gerne 2027 in Betrieb gehen, d.h. wir haben so oder so einen sehr straffen Zeitplan und wenn bis Ende diesen Jahres nicht alle Förderungen beantragt und Genehmigungen vorliegen, wird es schwierig, das so umzusetzen. Und dafür brauchen wir einen freien Kopf und ein Umfeld, in dem wir uns vielleicht ein bisschen wohler fühlen. Mir geht es inzwischen gut genug, dass ich auch wieder Möbel aufbauen kann und ich nehme mir vor, jetzt erstmal diese kleine Wohnung hier aufzuhübschen, dass wir für unsere Planung auch wirklich den Kopf frei haben.


Nebenbei erledige ich schon mal ein bisschen Haushalt, bin gefühlt 50 mal in denselben Läden und am Ende des Tages ist das Bad sauber, frisch gestrichen, endlich mal mit Sinn eingerichtet und hat einen Spiegel und sogar Licht bekommen. Außerdem haben wir wasserfeste LEDs gefunden, die wir zusätzlich in der Dusche installieren können, das wird richtig schön.


Entscheidung


"Hey, wahrscheinlich sind über Ostern keine Hunde da. Lass uns doch das Wohnzimmer streichen und die Wohnung bis Dienstag so machen, wie wir sie haben wollen."

"Guter Plan."


Und der beste Zeitpunkt das zu entscheiden, wenn man bereits zwei Jahre hier gewohnt hat. Aber manche Dinge brauchen einfach seine Zeit. Gut Ding will Weile haben und die fordert Geduld. Die wiederum war offenbar die Lebensaufgabe meiner ersten 3 Dekaden dieses Lebens.


Tagesende


2.00 Uhr

Ich falle auf meinen Bürostuhl. "Hören wir noch ein bissl Musik und reden mal wieder? Haben wir schon länger nimmer gemacht." Also natürlich reden wir dauernd miteinander, aber man kann ja reden und reden. Es hat sich viel in uns verändert, seit wir uns kennengelernt haben, viel ist passiert, zwischen uns und um uns herum.

"Wusstest du, dass ich mir am Anfang unserer Beziehung voll Mühe gegeben habe, mich hetero zu verhalten, um dich nicht zu verschrecken?", frage ich. "Wann?" Er lacht. "Na immer!", protestiere ich. "Na, dann nicht sehr erfolgreich. Wie auch immer, ich liebe dich jeden Tag noch mehr als an dem zuvor."


Es mag ja Menschen geben, die nicht an die romantische Liebe glauben. Wir beide haben zu dieser Kategorie gezählt. Bis wir uns fanden. Was sich nicht verändert hat: wer wir sind, sprich unsere Sexualität, unsere Vorstellung von Beziehungsführung, ect. Das ist nämlich individuell und nicht Partnerabhängig. So bleibe ich ja trotzdem weiter eine bisexuelle Polyamoristin auch wenn ich in einer aktuell monogamen Hetero-Partnerschaft lebe. Und für alle, die noch an der Liebe zweifeln oder auf die böse sind, auf die, die bereits sie gefunden haben (woher sonst z.B. der Hass auf Queers): ich wünsche jedem von euch, dass ihr diese Erfahrung machen dürft und den passenden Partner findet.




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Runa, 2025

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Habe mich so ein bisschen selbst in der Zeit verloren und sehe, dass ich damit nicht allein bin.

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