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Gastrogeflüster: Erinnerung ans Holzhotel in Leogang - Mitdenken & Kommentieren

Neuer Beitrag jeden Sonntag | 15.00 Uhr


Willkommen bei Frauenbarth. Deinem Blog für Alltagsgeschichten der ungeschönten Art. Mal bitter, mal sauer, mal lustig, mal liebevoll - aber immer mit Gefühl und Querverbindungen.


Ich schreibe hier über meinen Alltag, um dich zu unterhalten, mich selbst zu strukturieren und gesellschaftliche Fragen auf den Tisch zu bringen in dem ich Alltagssituationen aufgreife, anstatt auf Social Media Welle zu schieben.


In den MK - Beiträgen möchte ich dich nochmal ganz gezielt einladen, zu manchen Fragen, die sich mir im Laufe der letzten Monate so gestellt haben, aus deiner Perspektive zu beantworten. Hier geht's nicht um richtig oder falsch, Anerkennung, Lob oder Ablehnung, sondern einfach um deine ehrlich empfundene Ansicht. Ich freue mich auf deinen Beitrag!



Mitdenken & Kommentieren


aus dem Blogbeitrag: ""Hundetränen & Gastrogeflüster"

Eine Erinnerung an die Zeit in einem Holzhotel in Leogang, Salzburg.


Deswegen hatten wir am 21.12.2022 auch unseren ersten Arbeitstag in einem Hotel in Österreich. Wir waren ganz aufgeregt. Ich hatte Frühschicht. 7.00 Uhr Arbeitsbeginn, kein Problem, wenn man dort wohnt, für Frühstück, Mittag- und Abendessen gesorgt ist.


Ich freu mich auf den Weihnachtstrubel, weil ich ja gerade erst aus einer Gastro mit vielen tollen Veranstaltungen und ordentlich ordentlicher Arbeit kam. Wenn es eine Gastronomie gibt, die ich im Allgäu ohne Vorbehalte empfehlen kann, dann ist es die Bieralp in Kranzegg. Die Wirte sind großartige Leute, das Bier ist einzigartig und das Essen toll. Die armen Leute haben mich leider in einer ganz doofen Lebenslage abbekommen. Die Arbeit dort hat mich immer ein bisschen ins Leben zurückgebracht, sowie Tierheim, Tierarztpraxis und der Dorfwirt früher, aber wenn das Außenrum und das Innendrin zu viel wird, ist auch der netteste Arbeitsplatz irgendwann nicht mehr gut zu bedienen.


Ich bin um 6.50 Uhr im Restaurant aber irgendwie ist niemand da. Naja, dann warte ich mal. Gegen fünf nach sieben schlurft ein Mann rein, der irgendwie nicht so motiviert aussieht. Er hat einen sehr vollen Vollbart. "Ah, du bist Jana?"

"Sieht so aus."

"Cool, ist heute ganz chillig, wir haben eh nur 23 Gäste oder so. Können uns Zeit lassen. Die stehen eh nicht früh auf, hab gestern Abend mit denen gequatscht. Rauchst du?"

"Ähm ja, aber ich hab jetzt keine Zigaretten mit zu meiner ersten Schicht genommen."

"Ach, du bist motiviert?" Er lacht ein bisschen. Ich mag seine lebenslustigen Augen, die wenig zu seinen Worten passen: "Bleib zwei oder drei Wochen, dann ist das auch verflogen."

"Wie lang bist du schon da?"

"Knapp ein Jahr."

"Zufrieden?"

"Man kann ein bisschen Geld machen, für das, was man tun muss, aber ich geb dir einen Tipp: Mach dein Ding, weil das, was die hier so vorhaben, funktioniert einfach nicht. Vor allem nicht für die Gäste. Du bist übrigens faktisch meine Supervisorin, also hallo Boss."

"Ja, hallo auch. Du bist Commis? Ich dachte eigentlich, dass mir die Restaurantleitung oder die Stellvertretung alles zeigt, damit ich dann gleich mit meiner Arbeit loslegen kann."

Er lacht. "Komm, ich geb dir ne Ziggi. Oder rauchst du auch E?"

"Ne, E nicht."

Wir gehen raus und ich schaue das erste Mal den Berg nach oben. Direkt vor der Terrasse ist der Skilift. Hier müsste es um diese Jahreszeit brechend voll sein. Aber gut, exklusiv, es ist ein kleines Haus, auch wenn's auf der Website riesig aussieht. Kann ja sein, dass die Handvoll Gäste einfach die Ultrabetreuung bekommt. Bei drei Mitarbeitern pro Gast ist das schließlich auch zu erwarten.


"Wo kommst du her?"

"Deutschland. Du?"

"Bosnien. Und was machst du dann hier?"

"Brauchten 'nen Tapetenwechsel."

"Bist du HoFa oder Restaurantfach?"

"Ne, Ernährungsberaterin, Einzelhandelskauffrau und Tierpflegerin."

"Hm, toll, dass du dann meinen Posten bekommen hast wo ich mir hier schon 'n Jahr den Arsch aufreiße. Aber ich nehm's dir nicht übel, du kannst ja nichts dafür."

"Das tut mir leid. Uns wurde gesagt, hier solle sich einiges ändern und wir würden perfekt ins neue Konzept passen. Ich bin Veganerin, mein Freund ist Vegetarier."

"Ah, ja dann viel Spaß hier." Er lacht wieder und bietet mir nochmal eine Zigarette an. "Ich mach dir jetzt erstmal einen Cappuccino. Ich hab Hafer-, Soja- oder Mandelmilch. Was magst du?"

"Mach's mir, wie du willst." (Sowas passiert mir leider öfter mal, hab ich von meiner Mama). Er lacht und sagt: "Okay." Wir rauchen zu Ende, er macht mir einen Cappuccino mit perfekter Schaumkrone und schönem Muster und zeigt mir dann, was für Frühstücksbuffet noch hergerichtet werden muss. "Na, da hat die Madame abends mal wieder geschlampt.", stellt er fest und zieht so schnell alle fehlenden Gegenstände hervor, dass ich mir unmöglich merken kann, wo das jetzt auf einmal alles herkommt. Nach fünf Minuten sagt er: "So. So soll das ausschauen, dafür hast du in der Regel eine halbe Stunde bis Stunde Zeit. Derweil kannst du schon Kaffee machen oder die Maschine freigeben, wie du Bock hast. Wir machen jetzt erstmal Filterkaffee und frühstücken dabei. Die Showküche ist schon besetzt, er lässt sich schnell was kochen, ich nehme mir was vom Buffet und freu mich, dass es Porridge gibt, den ich essen kann und Brötchen und Obst. Immerhin was zu Essen und es gibt ja auch Milchalternativen. Zum Mittagessen wird uns mindestens eine vegane Option versprochen und damit kann ich dann schon arbeiten. Ich hol mir künftig im Dorf einfach einen Sojaghurt Vorrat und gut ist. Dann kann ich auch wieder ein bisschen zunehmen. 2021 hat mich hart getroffen und seither hänge ich im unteren Gewichtsbereich und komm nicht mehr über 50kg. Das wird sich hoffentlich die nächsten Monate ändern. Auch deswegen sind wir hier. Arbeiten und nebenbei dran arbeiten, unsere Körper wieder fit zu kriegen und vor allem unsere Köpfe.


"Wie war's?", fragt Basti als ich ins Hotelzimmer zurückkomme. "Ganz cool eigentlich. Echt wenig los und dann hab ich angefangen zu putzen. Das ist schon nötig. Ich glaub, hier ist manchmal richtig viel los. Sieht auf jeden Fall so aus, als würde man nicht so oft dazu kommen, die Bar mal richtig sauberzumachen. Aber du weißt ja, ich mag auch diese ruhigen Tage, wo man bissl nach- und vorarbeiten kann. Gehen wir ins Spa?"

"Gern."


Wir verbringen meine Mittagspause im Spa und auf dem Hotelzimmer und dann geht Basti los zu seiner ersten Schicht. Ich bin so ein bisschen verloren, weil ich das erste Mal seit langem völlig frei von Verantwortung bin und das ein ganz komisches Gefühl ist. Ich bin frei und das ist irgendwie beängstigend. Und ich weiß gar nicht, was ich jetzt machen soll, also gehe ich in die Fitnesskammer (die auf der Website aussieht wie ein kleines Fitnessstudio). Davor gab's Abendessen. Spaghetti mit Tomatensoße. War okay vom Geschmack und perfekt für mein Vorhaben.


Um halb acht schmeiße ich mich in Arbeitskleidung, die ich selbst mitgebracht habe, weil wir noch keine vom Hotel bekommen haben und schaue mir mal das innovative Konzept von "sharing is caring" an. Individuell. Und die Tabletts sind riesig. Gut, dass ich nicht fürs Tragen angestellt bin. Das würde meine Konstitution gerade deutlich übersteigen.


Um 23.59 Uhr endet unser erster Arbeitstag dann und wir sind irgendwie verwirrt. Von einfach allem. Und irgendwie ist uns noch nicht so ganz klar, wer überhaupt wo das sagen hat oder wer der Chef ist. Die Menschen, von denen der nette Schaffner gesprochen hat, haben wir auch noch nicht gefunden. Vielleicht hat er sich im Hotel geirrt...


"Ich freu mich, dass wir hier sind, Bebi.", sage ich. "Ich mich auch."

"Danke, dass du das mit mir machst."

"Ich würde alles für dich tun."

"Das weiß ich und andersrum genauso."

Die Entscheidung, das Allgäu verlassen zu haben, fühlt sich richtig an. Wir waren in der Sauna, ich sogar zwei mal. Wir waren zusammen im Rooftoppool, um uns herum die winterliche Bergluft und wir sind uns sicher, wenn wir hier nicht heilen und uns wieder aufbauen können, wo dann?


"Ihr habt euch schon aus dem Pool an Scheiße rausgezogen und seit jetzt nur noch bis zum Knöchel drin, vergesst nicht, den Dreck abzuwaschen, Leute.", hat uns einer der Allgäuer mit auf den Weg gegeben, der mich noch aus meiner Schulzeit kennt. Er und sein Kumpel haben uns die Zeit davor den Arsch gerettet, weil ich ohne ihn nicht mehr zur Arbeit gekommen wäre und wir kurzzeitig obdachlos gewesen wären. Hilfe annehmen ist manchmal schwierig, vor allem für Menschen wie uns und umso toller, wenn man sie bekommt. Für diese Zeit sind wir sehr dankbar. Beiden Jungs mit Anstand und Ehre.


Und an diesen Rat wollen wir uns gern halten.


Bereit zum Mitdenken & Kommentieren?


Kennst du das, wenn du voller Vorfreude in eine neue berufliche Herausforderung startest und dann bitter enttäuscht wirst wie wir im Holzhotel in Leogang?


Unsere Geschichte auf dem toten Berg nimmt an dieser Stelle gerade erst ihren Anfang und wir haben in den knapp vier Monaten auf 1000 Höhenmetern in Leogang allerhand Unglaubliches erlebt. Mehr zu unserer Arbeit im Holzhotel findest du ab und an in den Blogbeiträgen.


Bist du eher der Typ "Durchhalten und mal sehen wie es sich entwickelt" oder "Ich hau mal lieber gleich wieder ab?"


Wir haben dort oben beides erlebt und konnten auch beides irgendwie nachvollziehen. Ich bin gespannt darauf, wie du mit der Situation umgegangen wärst. Zeit, deinen Kommentar zu hinterlassen.


Es gibt auch großartige Hotels in Leogang. Hast du einen persönlichen Tipp, den du mit der Frauenbarth-Community teilen möchtest?

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Runa, 2025

Offenes
Journaling

Warum das Tagebuch eines Anderen lesen?

Einfache Antwort: Perspektivenwechsel

Weiterführende Antwort: 
Habe mich so ein bisschen selbst in der Zeit verloren und sehe, dass ich damit nicht allein bin.

​​

Wenn alles sich ändert, wer bin ich dann und wo stehe ich?

Hier erzähle, was ich erlebe, denke, fühle, arbeite einige Kontroversen auf, die mir öfter begegnen und bin gespannt, wie du dein Leben in einer sich wandelnden Welt gerade empfindest. 

Ich freu mich auf deine Meinung in den Kommentaren!

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