Marketing-Mittwoch
- FRAUENBARTH

- 1. Juli 2025
- 6 Min. Lesezeit
5.33 Uhr
Ich wache auf, weil es jetzt schon extrem heiß ist. Der Sommer drückt und ich schließe das Fenster, um den Schwall an heißer Morgenluft auszusperren.
Zwei Stunden später klingelt der Wecker. Ich fühl mich wie gerädert und komm auch so gar nicht wirklich aus dem Bett. Um acht schaff ich es dann doch und versuche, meinen Freund zu wecken.
Der hatte heute Nacht aber einen Kampf mit einem Käfer und konnte wie immer nicht gut schlafen, demensprechend unansprechbar ist er auch.
Ich setz mich an den PC und checke erstmal das Nötigste. Nach einer Weile kommt mein Liebster auch aus dem Schlafzimmer getrottet und wir gehen duschen. "Magst du mit zu Mo?"
"Eigentlich ja, aber schaff ich nicht."
"Okay, ich sag liebe Grüße." (Und vergesse sie wie immer auszurichten)
Bevor ich losmuss mach ich noch ein paar Homeofficesachen, während ich mich anziehe und als ich losgehen will, klingelt mein Handy. Eine Neukundin. Für die HuTa. Klar Sommerferien, die Nachfrage ist groß und die Betreuungsplätze sind rar gesät. Ich will gleich mal Wind aus den Segeln nehmen und informiere, dass wir erstmal voll sind und Aufnahmestopp haben.
Aber es geht eh erst um Oktober und ich freu mich, dass immer mehr weitsichtige Menschen auf meine Website reagieren. Die Präsentation wirkt also und ich kann die Inhalte vermitteln, die ich weitergeben will. Das macht mir und allen anderen die Arbeit, bzw. Planung und Aufenthalt ungemein leichter.
Ich hoffe, das funktioniert jetzt dann bei der Ernährungsberatung auch so, da hab ich ja einiges umgestellt. Freu mich schon auf die Küchenvideos - die ich ja schon seit Jahren machen will... aber mir immer die Küche fehlte. Die nimmt jetzt allerdings langsam Gestalt an (wir warten nur noch auf die Anrichte) und nebenbei sind wir auf Haussuche. Was Passendes hat sich bisher leider nicht ergeben, aber das Richtige kommt schon. Vielleicht ist es manchmal gut, seine Planung ein bisschen offen und flexibel zu halten.
Das Vorgespräch mit der Hundemama aus dem Ort ist nett und wir einigen uns auf ein Treffen nach den Sommerferien. Klingt nach einem passenden Hund für unsere kleine Truppe.
Ich kann das Gespräch beenden bevor ich Mo und seine Mum erreiche und wir gehen in den Wald um Brückentage zu besprechen. Danach trinken wir noch einen Kaffee, sinnieren über das Leben und die Arbeit, Menschen und Pläne.
Ich gehe erst wieder mittags und erschrecke selbst angesichts der Uhrzeit als ich aufs Handy schaue. Aber egal, es ist mein freier Tag und ich hab's echt mal verdient einfach nur zu sitzen und zu quatschen und dabei nicht auf die Uhr zu schauen oder drüber nachzudenken, wer jetzt als nächstes raus muss oder was essen oder Medis bekommen oder, oder, oder...
Ein paar ToDos für heute gibt's natürlich trotzdem, wie diesen Beitrag schreiben, Mails beantworten, checken ob die Unterlagen bezüglich des Praktikums im September schon da sind und ein Promo-Video für Splitterchroniken zu machen. Ist ja nicht nur trist und traurig, was ich so von mir gebe. Auch wenn es auf den ersten Blick oft negativ scheint... erst das Spektrum schafft die Perspektive... in sofern: keine Höhen ohne Tiefen. Oder alles nur noch Spiegelfläche?
Eine Mail von der Werbeagentur flattert rein und ich freu mich über die diversen Entwürfe, die ich zur Auswahl habe. Der Grafiker hat sich sehr viel Mühe damit gegeben und wir haben letzten Mittwoch in einem intensiven Mailing-Nachmittag alle wichtigen Punkte besprochen. Das Ergebnis gefällt mir ausgesprochen gut und ich freu mich schon, wenn das Kassenband läuft.
Die Ernährungsberatung war ja eigentlich als Hauptsteckenpferd gedacht, inzwischen sind es ungeplanter Weise die Hunde, was vielleicht auch meiner früheren beruflichen Auslagerung und meiner Präferenz eher mit Tieren zu arbeiten liegt. Und den Umständen mit Wohnung, Krankheit und Möglichkeiten.
Nichtsdestotrotz mach ich auch die Beratungstätigkeit gerne und ich bin jetzt in der glücklichen Position, meinen Zeitplan so einzuteilen, dass es zu mir und meiner gewünschten Arbeitsfeldverteilung passt, als auch einen Gewinn für die Kunden darstellt - denn, wie Mos Mama heut so schön sagte: Nur wenn man etwas wirklich machen will, kann man auch tatsächlich gut drin sein. Und da stimme ich vollkommen mit ihr überein. Mit vielen weiteren Dingen auch und das obwohl beinahe meine volle Lebensspanne zeitlich trennt. "Man kennt sich halt."
Die Hunde wiederum sind ja auch soziale Anker, denn sie bringen ihre Familien mit und daraus entstehen oftmals spannende Gespräche und unerwartete Ideen oder Möglichkeiten.
Ich schau mir erstmal die tollen Entwürfe an, wähle zwei für mich schon mal aus und schicke sie dann an meine Eltern, um deren Meinung einzuholen. Mein Papa ist für das eine, meine Mama für das andere. Als ich Basti frage, ist er auch für die Auswahl unsere Favoriten, aber ich bin für das eine und er für das andere. "Deswegen ist eine gerade Zahl immer blöd, wenn man abstimmen will.", stellt er fest.
Wir sind mal wieder in der Mitte, aber in diesem Fall (und leider in vielen anderen auch aktuell) müssen wir eine Wahl treffen.
"Überlegen wir mal noch.", sage ich. "Hab ja Zeit bis zu meinem Geburtstag. Netter Zufall übrigens."
"Stimmt. Gehst du mit zum Trainieren?"
"Klar."
Ich mag es neue Studio. Es ist schön und ruhig und sauber. Ich hab zwar noch Muskelkater von dem letzten Training, aber heute ist Rücken dran und das ist ja eine meiner wichtigsten Baustellen.
"Ich bin froh, dass wir uns dafür entschieden haben."
"Ich bin froh, dass es endlich wieder aufwärts geht."
Wir fahren die Rolltreppe runter, weil wir noch kurz bei Action ein Handtuch holen müssen. Hab gestern die Jacken gewaschen und hatte keinen Platz mehr auf dem Wäscheständer.
Dort winkt uns eine Lady und fragt Basti wegen der Hunde. Es stellt sich raus, dass wir alle Bayern sind, die irgendwie durch Zufall im Hochtaunus gelandet sind und wir tauschen Visitenkarten aus. "Super, genau das, was wir in Zukunft brauchen."
"Ja und Psychologie hat sie auch studiert."
"Aber jetzt ist sie doch in der Pädagogik."
"Ist doch noch besser.", stelle ich fest und freue mich drüber, dass die Fäden langsam zusammenlaufen.
Das Training ist gut, aber wir halten es bewusst kurz und unserem Neustart angepasst.
"Oh, ich glaub, ich hab meinen Arzttermin vergessen.", sage ich als wir rausgehen. Aber ich kann den Termin in meinem Handy nicht mehr finden. "Sowas passiert halt, wenn man sich mal frei nimmt...", schimpfe ich mit mir selbst und ärgere mich darüber, dass ich mal wieder mich selbst vergessen hab, aber bin auch stolz, dass inzwischen die anderen Terminplanungen reibungslos laufen. Irgendwo gibt's immer noch Anpassungsmöglichkeiten.
Zuhause entscheide ich, dass wir dem Grafiker die Wahl für die Werbung überlassen und beschließen dann nach kurzem Feedback, dass es das Design trifft, das meine Mama und Basti vorgeschlagen haben. Davon bin ich schon ausgegangen, weil mein Papa und ich nicht unbedingt die "Marketing-Sichtweise" haben, sondern irgendwie ein anderes Auge drauf werfen. Aber unsere Variante hätte auch gut funktioniert und wir merken mal vor, dass diese Version in einen anderen Markt kommen kann, sollte ich das Geld aufwenden wollen und vor allem Mitarbeitende finden, die das dann auch verantwortungsvoll abdecken können. Aber da tun sich gerade auch neue und unerwartete Möglichkeiten auf. Manchmal braucht es vielleicht einfach den Mut, den ersten Schritt zu gehen... und wenn man mal feststeckt, den zweiten, den dritten und so weiter. Solange man sich mit dem identifizieren kann, was man tut und seinen inneren Frieden damit findet, bereit ist dazuzulernen und andere Meinungen zumindest mal anzuhören... Was soll da noch schief gehen?
Bestimmt einiges, weil man immer auf die Fresse fallen kann. Aber dann geht's halt wieder los mit Schritt Eins.
Ich bin einigermaßen zufrieden mit dem, was ich heute bei der Hitze alles so abgewickelt hab, weil's mehr war, als erwartet und viel mehr als das, wonach es aussieht. Aber in zukunftsweisende Richtung.
Wenn ich mit "Theatre of Birds" so anschaue, frage ich mich ernsthaft, welche Frau ich vor zwei Monaten noch war und viel leichter es sich heute lebt.
Es gibt Zeiten, da passiert Jahrelang gefühlt gar nichts und dann bauen deine kleinen Änderungen plötzlich alle aufeinander auf und bauen dir die Brücke zu dem Leben, das du dir vorgenommen hast. Das Gefährliche dran: Funktioniert im Positivum wie im Negativum. Manche nennen es Selbsterfüllende Prophezeiung, andere Karma und ich bin der Meinung, es ist egal, wie wir es nennen, aber wichtig, dass wir Worte haben. Und langsam wieder aufhören, sie gerade nach Trend zu missbrauchen. Wir wecken eine Macht, der der einzelne nicht Herr wird.
Wie ich auf den Gedanken komme? Vielleicht durch meine Arbeit mit der KI die letzten Wochen, vielleicht aber auch durch das Buch "Tipping Point" von Malcolm Gladwell. Ein Geschenk eines alten Freundes, das mich sehr weiter gebracht hat. Ich kann es nur empfehlen.
Inzwischen ist sieben, ich werde noch etwas vor mich hinwerkeln, später vielleicht ein paar Videoideen für js.colourful.life umsetzen oder einfach nur zocken. So oder so war es ein entspannter, aber aufbauender Mittwoch.



















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