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Wind & Hunde

Aktualisiert: 9. Dez. 2024

9.00 Uhr

Der Wecker klingelt. Wir stehen auf, gehen duschen und machen uns fertig fürs Fitnessstudio. Uns geht's jetzt nicht super, aber wir hatten definitiv beide dieses Jahr sehr viel schlechtere Tage. Deswegen ist es jetzt ganz entspannt, wir plaudern ein bisschen, während wir uns anziehen und ich stelle fest: "Weißt du eigentlich, wie absurd das ist, dass die Leute damals wohl alle dachten, ich wäre wegen Luisa gegangen?"

Er lacht ein bisschen. "Ja.", sagt er. "Ich hab dir schon mal erzählt, warum ich den Absprung wirklich geschafft habe, oder?"

Natürlich habe ich das. "Natürlich hast du das."

Es geht so im großen und ganzen um die Trennung von meinem Exmann. Natürlich hatte der arme Mensch, der da mit in mein Unglück gezogen wurde, obwohl er wirklich schon genug eigenes am Hals hatte, auch was damit zu tun, aber ganz anders, als es von außen aussah und/oder kommuniziert wurde.

Wir ziehen unser Jacken an. "Vielleicht solltest du ihr das irgendwann mal sagen."

"Erstens wie denn und zweitens und dann? Ist ja nicht so, als würden wir uns in nächster Zeit mal zufällig über den Weg laufen und einen Brief schreiben ist auch keine Option."

"Hm ja..."

"Und außerdem: und dann? Selbst wenn wir irgendwann mal in eine Klärung kommen können, was dann? Das macht doch alles noch komplizierter. Im einen Fall finden wir beide einen Abschluss, können um das Trauern, was wir nicht hatten oder ich zumindest und dann kann ich's loslassen. Weiß ja nicht, wie es ihr damit ging oder geht oder ob sie überhaupt drüber nachdenkt. Und im andren Fall, wenn die Tür nicht zu ist, was dann?"

"Das sehen wir, wenn s soweit ist. Hör auf, alles zu zerdenken."

"Ja aber..." "Nichts aber."

"Okay, du hast recht. Machen wir einfach das mit dem Weihnachtsgeschenk, das ist nett."

"Ja, finde ich auch."

"und unverfänglich."

10.20 Uhr

Der Schnee von gestern ist natürlich nicht mehr da, aber das haben wir auch nicht erwartet. Wir gehen noch schnell bei Rewe vorbei, nehmen Frühstück mit und gehen ins Gym. Training läuft gut, wir plaudern ein bissl mit netten Leuten und dann gehen wir wieder heim. "Meinen Beitrag haben sie übrigens schon abgebucht. Deine Beiträge halt nicht. Kommt bestimmt bald wieder ne Bandsperrung oder irgendein Inkassobrief."

"Ja, dann schreiben wir halt nochmal eine Mail ans Office." Erinnert ihr euch noch an das Malbuch, das ich für die Leute machen wollte, die noch auf Antworten aus dem Büro vom 711 warten? War eigentlich nur ein Spaß, wird inzwischen aber wahrscheinlicher.


13.00 Uhr

Zuhause angekommen legen wir uns nochmal kurz hin und spielen Not or Not, bis Basti nach zehn Minuten sagt: "Okay, es reicht, ich hab keine Lust mehr." und machen unseren 20-Minuten-Musik-Kopfreset, zumindest bis Bastis Handy durchs Zimmer fliegt, weil es schon wieder keine Musik mehr abspielen will oder nur mit lustigen Pausen, die er gar nicht so lustig findet. "Was soll denn das? Den ganzen Tag funktioniert der Scheiß, aber wenn ich dann mal einfach entspannen will, jedes Mal sowas!"

"Ich weiß auch nicht, was das soll, Bebi.", sage ich, weil ich's wirklich nicht weiß.

"Sorry, dass ich dich jetzt so rausgerissen habe."

"Alles gut."

"Gehen wir duschen?"

"Ja."


14.20 Uhr

"Ich schreib mal, dass wir jetzt fertig wären, okay?"

"Klar."

"Und danach fahren wir gleich nach Frankfurt, oder?"

"Jup."

"Dann muss ich unbedingt zwei Hosen anziehen."

"Ja, es wird bestimmt wieder super windig."

"Okay, wir treffen uns um halb vier im Hundepark."


Wir haben noch genug Zeit und schlendern über den Bad Homburger Weihnachtsmarkt. "Nehmen wir uns was Kleines zu essen mit oder so?"

"Ja, auf jeden Fall. Falls ich was finde."

"Pommes?"

"Ne, reicht mir noch vom letzten Fest. Das war ganz bäh."

Weil manche irgendwie noch roh waren, aber immerhin hat das Portionen 8 Euro gekostet. War ich nicht so Fan von.

"Schau mal, Churros."

"Ne."

"Steht dran, dass es auch vegane gibt."

"Hm, schon lange nicht mehr gegessen. Aber..."

"Ja, frag halt einfach."


Ich frage nach der veganen Variante und ob ich die auch mit Zimt und Zucker haben und die nette Verkäuferin lacht ein bissl: "Ja, das ist ja meine vegane Variante."

Gar nicht peinlich. Ich lasse mir meine kalten Churros mit Zimt und Zucker trotzdem schmecken und freue mich drüber, weil ich echt schon lange keine mehr gegessen habe.


Wir laufen durch den Jubiläumspark zum Hundepark und beschließen, auf jeden Fall über die Louise zurückzugehen, weil die Äste sich ganz gefährlich in alle möglichen Richtungen ausstrecken. Eine Frau mit vier Windhunden kommt an uns vorbei und Basti macht der Frau ein Kompliment für ihre Tiere. Sie ist ein wenig verwirrt, bedankt sich aber im vorbeilaufen.


Als wir im Hundepark auf unseren künftigen neuen Kumpel warten, fragen wir uns, wie es hier mit der Baumpflege so aussieht. "Also schon irgendwie gefährlich... Vor allem so nah an der Straße."

"Ja, würd ja sagen, die Natur regelt das, aber dafür bräuchte es halt noch Natur. Ansonsten muss man sich drum kümmern."

"Wohl wahr."

Die Dame mit ihren Windhunden läuft wieder an uns vorbei. Wir sind schon extra auf die Baumfreie Fläche gegangen. "Ja, wir treffen uns ja hier unten, weil Hardtwald heut nicht die beste Idee ist. Da waren sie heute früh wohl schon oben..."

Die Dame macht ihre Windhunde los und sie rauschen davon Richtung Parkinneres. "Wie spät?"

"In fünf Minuten müsste sie hier sein."


Wir bestaunen ein bisschen die wankenden Äste und ich sehe einige schon auf die Straße fallen. Drei der Windhunde jagen an uns vorbei und rennen auf den Parkausgang zu. Wir haben keine Zeit zu reagieren, die Frau schreit doch der erste Hund steht schon auf der Straße und der Mini fährt drauf zu. Die Zeit steht für den Moment, das Auto kurz darauf. Etwa einen halben Meter vor dem Hund. Der dreht wieder um und rennt zurück zu seiner Halterin als wäre nichts gewesen.

"Fuck, warum muss das immer sein?", schimpfe ich, weil mein Puls schon wieder auf 300 ist. "Ja, wenn man das auch Hundepark schimpft, echt. Wäre so leicht zu umzäunen..."

"Guck, da kommen sie."

Ich winke.


"Hallo" Der Hund bellt uns an und ist auch schon von der Leine. "Ohweh, denke ich und hoffe, dass wir bald loslaufen, bevor auch er sich entscheidet, den Weg Richtung Straße zu nehmen."

"Wie wär's, wenn wir gleich losgehen?", schlage ich vor und wir gehen von der Straße weg.


16.15 Uhr

"Schau, es gibt doch noch echte Familien. Wo es ein Zuhause gibt und Liebe herrscht. Das war jetzt echt schön zu sehen."

"Ja das stimmt."


Wir fahren nach Frankfurt, schauen erstmal noch in der Zeil vorbei und ich bekomme mein monatliches Nerdgeschenk. Ein Wolferine-Groot. Passt grad zu meinem Outfit und meiner Stimmung. Als wir rauskommen, laufen wir einer voll coolen jungen Dame übern Weg, die ihren kleinen Hund hinter sich herschleift. Ich schau mir das ein bisschen an, kann ja mal passieren, dass man weiterläuft, weil man nicht kapiert hat, dass er gerade irgendwas gesehen hat, aber es scheint sie einfach nicht zu interessieren, dass das Ding am andern Ende der Leine ja vielleicht ein Lebewesen sein könnte. "Willst du nicht mal ein bisschen freundlich zu deinem armen Hund sein?", frage ich Rotkäppchen deswegen harsch, als sie an mir vorbei stolziert. Sie will erst stehen bleiben und irgendwas wahrscheinlich ganz intelligentes sagen, verkneift es sich dann aber doch, weil sie sieht, dass ich es ernst meine. Bin gerade auch nicht zu Scherzen aufgelegt. Der arme Hund, der auf zwei Beinen neben ihr hertippelt ist die Situation auch ganz peinlich und er zieht schnell den Kopf ein, als sich auch Basti umdreht, der schon ein paar Schritte vorausgegangen war. "Ja, will ich auch meinen.", stelle ich trocken fest und gehe weiter. "So traurig.", sage ich zu meinem Freund. "Und lächerlich.", fügt er hinzu.


18.30 Uhr

"Irgendwie waren wir schon wieder ganz schön lang unterwegs für das, dass wir die Sachen ruhiger angehen wollten.", stelle ich fest. Wir schauen unsere Post nochmal durch, beantworten, was zu beantworten ist, checken die Mails nochmal und zocken dann ein bisschen WoW. Ohne Gilde, dafür wieder mit mehr Freude. Mein Hexenmeister ist ziemlich cool und Basti hat Spaß mit seinem Schamanen.


Ein Tag, an dem viel hätte passieren können und glücklicherweise nichts passiert ist. Darf ja auch mal sein. Ein fast ganz normaler Tag.


Abends gehen wir noch schnell im Rewe einkaufen und die Glitzerfee besuchen. Freitagabend Party Ü30 halt.

 
 
 

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